Fast alles Banane

 

Wir sind an das Ende der Trockensaison angelangt, also befinden wir uns derzeit in den heißesten Wochen. Die Regenzeit steht vor der Tür und Insektenschwärme flüchten in unsere Gemächer und sterben dort in Massen. Meist kommt dann eine Armeisenarmee zur Proteinaufnahme an dieses Insektenbuffet. Um die Sonne zu ertragen, trinke ich literweise Regenwasser und lasse die Ventilatoren auf Dauerbetrieb.

An Früchten mangelt es mir glücklicherweise nicht und seitdem ich einen Mixer in Banteay Prieb gefunden habe, gibt es fast täglich Smoothies. Dadurch lässt sich die Hitze um einiges besser ertragen. Mangos sind momentan so alltäglich wie Reis. Und Bananen gibt es auch im Überfluss. Sehr zu empfehlen ist die Kombination aus Bananen, Peanut Butter und Milch!

 

 

Neujahr unter Palmen

Neujahr Nummer drei, – Feiertage in Kambodscha! Nach Silvester und dem chinesischem Neujahr wird es dieses Mal nass. Eine Wasserschlacht findet statt. Unsere Schülerinnen und Schüler besuchten ihre Familien, sodass Banteay Prieb wie leer gefegt war.

Mittlerweile ist der normale Alltag zurückgekehrt und die meisten sind wieder da. Pünktlich waren jedoch die wenigsten, aber besser später als nie. Das Zeitverständnis weicht etwas von meinem deutschen ab, aber dafür wird mehr auf die Bedürfnisse der jungen Menschen geachtet, die vielleicht noch nicht bereit waren, ihre Familien wieder zu verlassen. Leider hat Special Education trotz dieser flexibleren Handhabung zwei Schüler verloren. Das passiert manchmal nach langen Ferien. Oftmals hat es Priorität, der Familie zu helfen. Außerdem ist es ein großer Schritt, für ein ganzes langes Jahr seinen Heimatsort, die Familie und Freunde zu verlassen. Das kann ich als Freiwilliger aus dem fernen Deutschland gut nachvollziehen, auch mir fiel es nicht leicht, meine Eltern und meinen Bruder nach ihrem Besuch um Weihnachten zu verabschieden und mich wieder in den Alltag in Banteay Prieb einzufinden. Schwimmen gehen, mal mit anderen Deutschen meine Muttersprache sprechen oder kurz mal „unbekümmerter Tourist“ spielen, entlastet auf der einen Seite, führt mir aber auf der anderen Seite aber auch vor Augen, dass anderen diese „Pause“ nicht möglich ist. Nun ja, damit werde ich mich wohl noch weiter auseinandersetzen müssen. Im Moment bin ich also froh, dass der Schülerschwund nicht so groß ist wie der vom letzten Jahr und freue mich mit dem Team von Banteay Prieb, dass wir weiterhin eine große Zahl an Schülerinnen und Schülern begleiten dürfen.

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Durch die aktuelle Hitze fällt der gemeinsame Sport nach der Arbeit leider quasi weg. Allein der Gedanke an körperliche Aktivitäten führt zu einem Schweißausbruch. Mein Appetit ist jedoch ungebrochen …. Auch wenn mir einige Grad weniger gut tun würden, auch weil ich dann wieder mehr Kontakt mit den Schülern hätte, die im Moment nur vereinzelt auftauchen, um mit mir ein paar Körbe zu werfen. Nun, die freie Zeit nutze ich, um nach dem Abendessen etwas Englisch zu unterrichten. Das Angebot richtet sich an Interessierte. Da die Vorkenntnisse gering sind, üben wir einfache Dialoge und Alltagsphrasen. Vielleicht können sie die mal brauchen. Kambodscha ist ein zunehmend beliebtes Urlaubsland. Englischkenntnisse erhöhen damit auch die wirtschaftlichen Chancen. In den Schulen wird zwar auch Englisch unterrichtet, aber durch Korruption leidet die Qualität des Unterrichts. Oftmals halten Lehrer absichtlich Informationen zurück, um diese dann in bezahlten Privatstunden „preiszugeben“. Schuld daran könnten die niedrigen Löhne der Lehrkräfte sein. Der kambodschanische Staat investiert – vielleicht auch vor dem Hintergrund seiner Geschichte – unverhältnismäßig viel Geld in das Militär und recht wenig in die Bildung. Darum ist die Arbeit der NGOs wie z.B. hier in Banteay Prieb das Engagement der Jesuiten so wichtig. Auf der anderen Seite kompensieren sie Aufgaben, die eigentlich genuin staatliche Aufgaben sind. Ich hoffe darauf, dass die Saat dieser NGOs aufgeht und für Perspektiven und Hoffnung sorgt, die den Schwung gibt, um Korruption entschieden zu begegnen.

 

 

Unter Deutschen in Kambodscha

Nachdem ich weit mehr als die Hälfte meines Einsatzes hinter mir habe, wurde es Zeit für ein Zwischenseminar, in welchem ich meine Erlebnisse reflektieren konnte. So kann ich aus meinen Erlebnissen lernen und mit einer anderen Perspektive auf meine Zukunft blicken. Ich habe von mir selbst erfahren, dass ich mit weit aus weniger zurechtkomme und sich auch meine Prioritäten an meinen Lebenstil angepasst haben. Mein medialer Konsum ist zum Beispiel drastisch zurückgegangen, denn meine freie Zeit brauche ich, um meine Wäsche zu machen, Schwimmen zu gehen oder mit den Menschen hier zu reden. Ins Kino sind meine Mitbewohner und ich trotzdem einmal gegangen, jedoch habe ich es ganz anders wertgeschätzt. Was das genau für mein Leben nach meiner Rückkehr nach Deutschland bedeutet, kann ich nur erahnen. Ich denke, erst dort werde ich begreifen, inwiefern mich die Zeit hier in Banteay Prieb wirklich verändert hat.

Im Seminar habe ich weitere deutsche Freiwillige kennengelernt, die ihre Projekte vorgestellt haben und ihre Eindrücke schilderten.

Austausch und Diskussion mit Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, das war ein wichtiger Punkt für mich, da ich im Gegensatz zu vielen anderen Freiwilligen in keiner WG mit anderen Freiwilligen wohne, sondern an meinem Arbeitsplatz. Fünf Tage war ich also umgeben von deutschen Freiwilligen, – und das war zwar gut, aber auch genug. Obwohl es nämlich sehr interessant für mich war ich und viele offene Menschen kennegerlent habe, fühlte es sich fast nach Urlaub an und danach musste ich mich erst mal wieder an Banteay Prieb gewöhnen – wie meine Schülerinnen und Schüler eben! Wenn ich von meiner Arbeit erzählt habe, sind mir immer englische Wörter eingefallen, weshalb ich verzweifelt nach meinem deutschen Vokabular gesucht habe. Das Seminar hat viele Themen angesprochen, die ich in meiner Vorbereitung schon hatte und daher konnte ich diese sehr gut mit den Diskussionen vor meinem Seminar vergleichen. Die Rückkehr nach Deutschland steht auch bevor und gedanklich stehe ich zunehmend in beiden Ländern. Das ist nicht einfach und ich bin froh, dass sich meine Freunde und Eltern zurückhalten und kaum kontaktieren. Denn ich will die letzten Wochen noch ganz hier sein und mich auf Banteay Prieb und seine Menschen konzentrieren. Der Abschied wird mir nicht leicht fallen und trotzdem muss sie zu Ende gehen. Ich soll meine Erfahrungen hier ja fruchtbar werden lassen.

Ich bedanke mich bei allen Freiwilligen, die mir sehr offen gegenüber waren und natürlich auch bei Simon und Lim, welche das Seminar in meinen Augen sehr abwechslungsreich geleitet haben.

Kalte Dusche unter dem Blätterdach des Kiriom Nationalparks

Exkursionen sind ein wichtiger Bestandteil im Lernprozess der Schüler. Diese haben oft wenig Selbstbewusstsein und scheuen sich davor, in der Öffentlichkeit zu sein. Als Gruppe mit Freunden sind sie nicht alleine und haben so die Chance, Orte zu sehen, die sie ansonsten wahrscheinlich nicht besucht hätten.

Nach einer langen „Kamikarze“ Busfahrt sind wir im idyllischen Grün des Kirirom Nationalparks gelandet. Nach einem Tempelbesuch und einem Spaziergang unter dem grünen Blätterdach wurde das Picknick, – Reis, Huhn, Fisch und Schwein – vorbereitet. Da sich ein Schüler im Rollstuhl befindet, haben ihm seine Klassenkameraden geholfen, wenn Treppen bevorstanden. Während des Ausflugs regnete es leider etwas, jedoch hatte dies positive Effekte auf die Temperatur. Nach dem Essen war es wieder an der Zeit, die Lautsprecher anzuschalten, dieses Mal in Kombination mit Tanzen, meine „Lieblingsbeschäftigung“. Mit der übrigen Energie besuchten wir noch verschiedene Ecken des Parks, um uns dann erschöpft auf den Rückweg zu machen.

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Teacher Phalla und mein Schüler Bun Long

 

Frohes Wiedersehen

Letzte Woche wartete eine sehr schöne Überraschung auf mich: Sovan, mein ehemaliger Schüler, tauchte plötzlich auf! Als er mit strahlendem Gesicht zu mir rannte, freute ich mich riesig! Er erklärte mir, dass er nun in Banteay Prieb arbeiten wird und sich zusammen mit Ravy, einem weitere Absolventen, um den neuen Acker kümmert. Letztes Jahr hat er sich als kompetenter Lehrer erwiesen und mich in die Kunst der Landwirtschaft eingeführt. Schon bei sich zu Hause hat Sovan viel Gemüse gepflanzt und ich spürte, dass er mit viel Euphorie auf seine neue Aufgabe blickt. Schon bald werden wir in Banteay Prieb anfangen unseren Ertrag zu verkaufen! Damit hat Sovan erfolgreich unser Ausbildungsziel erreicht: ein möglichst selbstbestimmtes Leben, Unabhängigkeit von der Familie und Teilhabe an der Gesellschaft – auch und gerade für Menschen mit physischen oder psychischen Einschränkungen. Das fängt zum Beispiel mit simpler Körperhygiene an. Durch Fähigkeiten wie Kochen, Putzen und Landwirtschaft, die sie bei uns erwerben bzw. erweitern, können sie sich in ihren Familien einbringen und idealerweise ein höheres Selbstwertgefühl erlangen. Sovan und Ravy machen das vorbildlich. Hier kann ich von ihnen lernen. Ich hoffe, dass sie sich auch in Zukunft nicht verstecken werden und mutig und fröhlich in die Welt blicken. So werde ich sie auf jeden Fall erinnern und so werden sie mir immer wieder Mut machen, wenn ich Zuspruch brauche.

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-Sovan-

 

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