Alles geht durch den Magen

Freitag, 16:30, das Wochenende beginnt und wir, also Yeoreum, eine koreanische Freiwillige, Sandeep, ein Jesuitenbruder aus Indien, Pater Oh-Chang, ebenfalls aus Korea, zwei kambodschanische Studentinnen, die für zwei Monate Teil unserer Kommunität sind, und ich sind froh, dass wir am Abend wieder zum Essen eingeladen sind. Das bedeutet nicht, dass wir in ein Lokal gehen, sondern, dass wir von einigen Jugendlichen des Zentrums bekocht werden und zusammen mit ihnen das Abendessen genießen dürfen. Die über 80 Schüler leben nämlich auf dem gleichen Gelände wie wir, verteilt auf zehn Häuser mit zehn sogenannten „Houseteachers“, die für die Schüler zuständig sind. Wir freuten uns also, dass wir auf unsere koreanischen Instantnudeln verzichten und uns stattdessen an den Kochkünsten der Wohngemeinschaft eines solchen Hauses freuen durften. Das Wochenende war gerettet!

– Dachte ich zumindest, bis sich das Essen vom Samstagabend mit Durchfall und Magenkrämpfen bemerkbar machte und uns alle niederstreckte. Zum Glück war ich selbst nur von den Krämpfen betroffen. Am Sonntag hatten unsere Mägen etwas Zeit zur Ruhe zu kommen und sich auf das nächste Mahl vorzubereiten. Denn die ganze Schülerschaft ging von morgens in die Pagoda, den Gebetsort der Buddhisten, um den „Segen“ der Mönche zu erbitten und sich danach dem Essen zu widmen, das zuvor den Mönchen dargeboten wurde. Magenverstimmung hin oder her, ab da waren wir dann natürlich wieder dabei und abends tanzten wir sogar zu unserem Erstaunen! Auch wenn ich zugeben muss, dass ich lieber kambodschanisch esse als „kambodschanisch“ tanze. Zumindest kann ich das Erstere besser. Das unterscheidet mich deutlich von Sovan und Mao, meine beiden „ID-Schüler“. „ID“ steht für „intellectual disability“ – und jetzt, wo ich es schreibe, merke ich, dass „ID-Schüler“ ungut klingt und in keinster Weise meine beiden Freunde beschreibt. Tanzen können sie zum Beispiel herrlich. Da kann ich von ihnen viel lernen! Und auch sonst sind die beiden und alle anderen Schüler des Zentrums für so manche Überraschung gut. Beim Abendessen fingen sie zum Beispiel an, sich gegenseitig Früchte in den Mund zu stopfen. Auch ich fand mich plötzlich mit einer Banane mitten im Gesicht: Breitmaulfrosch! – Glücklicherweise gibt es hierzu keine Beweisfotos.

Ein Foto von der Schlange aus dem Nebenraum allerdings hätte ich gerne, um zu dokumentieren, welche Überraschungen hier manchmal auf mich warten. Inzwischen ist sie leider in keiner vorzeigbaren Verfassung mehr: Der Landwirtschaftslehrer hat das einen Meter lange Reptil mit einem Stock erschlagen. Und so beende ich beruhigt meinen Blogeintrag.

Diesen Freitag beginnen nun meine ersten Ferien und im Moment widme ich mich der Frage, in welchem Teil Kambodschas ich meine kulinarische Entdeckungsreise fortsetzen will. Nun, ich glaube, ich lass‘ mich überraschen. Das scheint mir überhaupt eine recht brauchbare Haltung zu sein. Nicht nur in Kambodscha!

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